Finanzbildung

Oder: Was ich über mich lernte, als ich anfing mein Geld ernstzunehmen.

Irgendwann verdient man genug, um die Frage nicht mehr ignorieren zu können: Was macht man mit Geld, das einfach auf dem Konto liegt?

Die Antwort kennt man. Das Geld verliert an Wert. Inflation ist kein Gerücht. Also fing ich an, mich zu informieren. Podcasts. Videos. Bücher.

Susan Levermann — Der entspannte Weg zum Reichtum

Das erste Buch, das ich las, war „Der entspannte Weg zum Reichtum" von Susan Levermann. Ich lernte, was Fundamentalanalyse ist — wie man einschätzt, ob eine Aktie unterbewertet ist. Was Dividendenaristokraten sind. Was Warren Buffett macht und warum. Es gibt auch einfachere Strategien: Was im letzten Quartal gestiegen ist, steigt meistens auch im nächsten. Klingt simpel. Ist es auch.

Und es funktionierte — weil der Markt ohnehin im Aufwärtstrend war. Wenn der Wind von hinten kommt, kann man wenig falsch machen.

Das war mir nicht genug.

Aktienanalyse: Fundamental vs. Technisch

Fundamentalanalyse oder technische Analyse — ich probierte beides.

Dann kam Corona. Die Märkte crashten. Ich kannte das Konzept der Leerverkäufe aus Filmen — und über einen Arbeitskollegen tauchte ich tief in die Welt der CFDs ein. Wir verbrachten Nächte damit, technische Analysen zu studieren und unsere Strategien im MetaTrader 5 zu programmieren und rückwärts zu testen.

Das Ergebnis auf dem Papier war eindeutig: In zwei Jahren würden wir Millionäre sein.

Ich war skeptisch. Wer am Tisch sitzt, verliert auch manchmal. Und am Tisch saßen Unternehmen mit ganzen Abteilungen, die nichts anderes taten als das, was wir nach Feierabend versuchten. Das ist wie Poker gegen Profis. Aber die Zahlen waren vielversprechend. Die Strategie hätte sich für die letzten fünf Jahre ausgezahlt. Und manchmal muss man seine eigene Erfahrung machen — sonst sitzt man am Ende da und fragt sich, was gewesen wäre.

Ich nahm mir ein klar definiertes Budget aus dem Privatvermögen und stieg ein.

CFDs und Futures — Derivatehandel

CFDs, Futures, MetaTrader 5. Nächtelang.

Dann startete der Ukraine-Krieg. Die Märkte spielten verrückt. Nichts war mehr so wie in den Backtests. Wir arbeiteten immer wieder an der Strategie. Es gab Ups. Es gab Downs.

Irgendwann stieg ich aus.

Nicht nur wegen der Verluste. Sondern weil ich merkte, dass ich nicht hart genug dafür bin — und das meine ich nicht als Schwäche. Was intensiver Derivatehandel mit einem macht: Nach einem guten Abschluss bist du höher als sonst irgendwann. Nach einem schlechten tiefer als nach jedem anderen schlechten Tag. Und danach — beim Abendessen, beim Spaziergang, im normalen Leben — spürst du eine Zeit lang einfach nichts. Der Körper hat alle Gefühlsskalen verbraucht.

Mit der Zeit normalisiert sich das. Aber das war ein Moment, in dem ich sehr deutlich verstanden habe, wer ich bin und wer ich nicht bin.

Zwischendurch versuchte ich mich auch noch mit Futures und Rohstoffen. Dieselbe Geschichte, noch größere Ausschläge. Noch weniger ich.

Manchmal muss man Dinge selbst ausprobieren. Nicht weil man die Warnsignale nicht sieht — sondern weil man erst dann wirklich weiß, ob sie für einen gelten.

Ich weiß heute, dass der Ausstieg richtig war. Die Verluste haben sich mittlerweile wieder ausgeglichen — nicht durch Trading, sondern durch Zeit und andere Entscheidungen.

Krypto — Bitcoin, Ethereum, XRP

Krypto-Landschaft. Ich stehe rechts, beim XRP-Schild.

Einen Teil meiner Finanzen habe ich an einen Vermögensverwalter abgegeben — für die Dinge, die ich nicht jeden Tag im Blick haben will. Den Rest manage ich selbst: Aktien, Immobilien, private Kredite die ich finanziere.

Und dann gibt es noch einen kleinen Teil, mit dem ich spiele. Krypto. Nicht Bitcoin, wie die meisten — sondern XRP. Es ist eine riskante Wette auf eine Idee. Der Einsatz ist klein. Die Hoffnung ist, dass die Idee dahinter tatsächlich irgendwann aufgeht. Es könnte funktionieren. Es könnte auch nichts werden.

Das Ziel war nie Reichtum. Das Ziel ist Freiheit. Der Unterschied ist kleiner als man denkt — und gleichzeitig sehr groß.