BI meets Kanu

Oder: Was passiert, wenn ein IT-Mensch Kanutrainer ist.

Winter ist die unspektakuläre Jahreszeit im Kanuslalom. Kein Wildwasser. Kein Wettkampf. Nur Halle, Kondition, Durchhalten.

Als Trainer hatte ich Sportler, die in der Jugend-Nationalmannschaft fuhren. Die waren gut. Die wollten besser werden. Und ich wollte wissen, wie gut sie wirklich waren — nicht nach Gefühl, sondern nach Zahlen.

Ich bin auch Physiotherapeut. Ich weiß, welche Muskelgruppen ein Kanufahrer braucht. Also baute ich einen Test.

8 Stationen. Bauch. Bogengang. Dips. Hock-Streck-Bank. Laufen. Liegestütz. Rückenstrecker. Seilspringen. Kraft und Koordination. Alles, was zählt.

Die Regeln: 2er-Teams. Man wechselt sich ab. Wer pausiert, geht zur nächsten Station. Wer fertig ist, tippt die Zahlen ins Handy.

Eine Minute später sah man das Ergebnis.

Eine Minute. Acht Stationen. Acht Jahre Geschichte.

In meiner Berufswelt heißt das, was ich da angewandt habe, Normalisierung. Man macht Werte vergleichbar. Dips und Seilspringen sind nicht direkt vergleichbar — es sei denn, man normiert sie auf denselben Maßstab.

Der Maßstab war der Rekord. Wer in einer Übung den Alltime-Rekord aufstellte, bekam 100 Punkte. Alle anderen wurden prozentual darunter eingestuft. Acht Übungen, je 100 Punkte maximal: 800 Punkte insgesamt.

Niemand kam je auf 800.

Was man auf einen Blick sehen konnte:

  • War ich besser als letztes Mal?
  • Wie stehe ich heute im Vergleich zu den anderen?
  • Wurden Rekorde gebrochen?
  • Wie weit bin ich vom absoluten Rekord entfernt?

Vier Fragen. Eine Minute. Ein Handy.

BI meets Kanu — Dashboard mit persönlicher Entwicklung, Tagesranking und Alltime-Bestenliste

Das Dashboard: Entwicklung über die Zeit, Tagesranking, Alltime-Top 20, Stationsrekorde.

Meine persönliche Bestleistung: 665 Punkte — 4. Februar 2015. Zehn Jahre später stehe ich noch immer auf Platz 2 der ewigen Bestenliste.

Platz 1 hält Ulf. Ein Nationalfahrer. 693 Punkte, Januar 2017. Gegen den kam kaum jemand an.

2020 war ich wieder nah dran: 663 Punkte. Fast die persönliche Bestleistung. Mit 43 Jahren. Das fand ich in Ordnung.

Ulf Jung im Kanuslalom-Wildwasser am Eiskanal Augsburg

Ulf am Eiskanal Augsburg. Im Test genauso schnell wie im Wildwasser.

BI meets Kanu — Dateneingabe-Formular für neue Ergebnisse

Die Eingabemaske: acht Felder, ein Klick, fertig.

Am Anfang schrieben wir auf Zettel. Ich wertete in Excel aus. Dann gab ich die Daten per phpMyAdmin in eine Datenbank ein. Dann konnte man die Ergebnisse online einsehen. Irgendwann konnte man alles direkt im Browser eintippen und sofort das Ergebnis sehen.

Acht Jahre. 2014 bis 2022. Jeder Test dokumentiert.

Die Sportler kamen immer. Nicht weil sie mussten. Sondern weil sie wissen wollten, wo sie stehen. Das ist der Unterschied zwischen Gehorsam und Begeisterung — auch im Sport.

War der Programmieraufwand zu hoch für zehn Sportler? Im Grunde: ja. Eine Excel-Tabelle hätte es auch getan.

Aber darum ging es nie. Mit jedem meiner Projekte habe ich Dinge gelernt, die ich anderswo konkret anwenden konnte. BI-Normalisierung in der Praxis. Datenbankdesign ohne Handbuch. Online-Formulare ohne Auftrag. Was damals noch eine Herausforderung war, ist heute in Stunden lösbar — weil ich es damals gemacht habe.

Das ist kein Umweg. Das ist wie Kreativität funktioniert.

Noch heute halte ich sowohl die Methode als auch die Umsetzung für mustergültig im Hochleistungssport.

Ich bin jetzt 48. Immer noch fit.

Das war nicht das Ziel des Tests.