Arbeitnehmerkanal
Ein Podcast über echte Berufe — für alle, die wissen wollen was ein Job wirklich bedeutet, bevor sie ihn wählen.
Podcasts gab es damals noch nicht so viele. Und ein bestimmtes Problem beschäftigte mich: Viele Menschen wählen einen Beruf nach einer Vorstellung — und merken dann, dass die Realität eine andere ist. Meine Idee: Menschen sprechen lassen, die einen Beruf lange und gerne machen. Ehrlich. Ungeschönt. Damit andere eine bessere Entscheidungsgrundlage haben.
Die Idee kam so gut an, dass die Agentur für Arbeit auf mich zukam und eine eigene Reihe mit mir machen wollte. Ich habe abgelehnt — jede Folge kostete mich inklusive Vorbereitung, Aufnahme und Nachbereitung rund 10 Stunden. Das ließ sich auf Dauer nicht mit allem anderen vereinbaren. Die Idee finde ich bis heute richtig gut.
Christine Hoffmann — Glücklich sein im Beruf
Christine Hoffmann ist Arbeitspsychologin, Trainerin und Coach. In zwei Folgen sprachen wir darüber, was es bedeutet, im Beruf wirklich glücklich zu sein — und warum das Erreichen von Zielen alleine nicht reicht.
„Der Weg zu deinem Ziel sollte dich glücklich machen. Die Zielerreichung selbst hat nur einen kurzen Effekt auf die Zufriedenheit."
Alle Folgen
Teaser
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★ Highlight
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★ Highlight
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Comics — auf dem Laptop gezeichnet
Neben dem Podcast gab es einen Instagram-Kanal. Und neben dem Instagram-Kanal gab es mich mit einem Grafiktablett und zu vielen Meinungen über das Arbeitsleben.
Artikel aus dem Arbeitnehmerkanal
Neben dem Podcast gab es einen Blog — mit Texten rund um Arbeit, Kommunikation und Karriere. Themen, die mich damals beschäftigt haben. Die meisten davon noch heute.
Ein Unternehmen wird geboren. Wenige Aufgaben, wenige Fähigkeiten, maximale Abhängigkeit vom Gründer. Wie ein Kleinkind.
Dann wächst es. Neue Abteilungen, neue Rollen, neue Verantwortlichkeiten. Die Komplexität steigt — und genau da liegt die Falle. Viele Gründer schaffen es nicht loszulassen. Sie bleiben die Hand, die jeden Topf rührt.
Das Problem: Komplexität lässt sich nicht mehr beherrschen, wenn sie auf einen Punkt verdichtet bleibt. Wachstum braucht Vertrauen. Irgendwann muss der Gründer seinem Unternehmen Flügel geben — statt Wurzeln zu halten.
Wie in der Adoleszenz sucht das reife Unternehmen seine Identität: neue Produkte, neue Zielgruppen, vielleicht neue Märkte. Fehler sind in dieser Phase kein Versagen. Sie sind Informationen. Wichtig ist nur eines: Stillstand vermeiden.
Und wenn der Gründer das partout nicht einsieht? Dann wird sich das Volk erheben. Das ist keine Revolution — das ist Evolution.
Wann hast du zuletzt ein echtes Kompliment bekommen? Nicht das höfliche „gut gemacht" nach dem Meeting — sondern eine Rückmeldung, die zeigt: jemand hat wirklich hingeschaut.
Die Wissenschaft sagt: Fünf positive Rückmeldungen gleichen eine negative aus. Das ist keine Einladung zur Schönrednerei. Es ist eine Erinnerung daran, wie asymmetrisch unser Fokus im Alltag ist. Fehler werden registriert. Gute Arbeit läuft still durch.
Bevor du Kritik äußerst, drei kurze Fragen: Hat die Person den Fehler selbst bereits erkannt? Hat ihn schon jemand anderes angesprochen? Ist es ein Muster — oder ein Ausrutscher?
Wenn alle drei Antworten lauten: nein, nein, Ausrutscher — dann brauchst du dieses Mal vielleicht gar nichts sagen. Und wenn doch: konkret, direkt, dann schweigen. Damit der andere Zeit hat zu antworten.
Mit 17 machte mich mein Kanutrainer auf ein Muster aufmerksam: Ich reagierte auf jede Kritik mit „Ja, aber ..." — automatisch, reflexartig, als wäre mein erster Impuls immer Verteidigung.
Das war der Beginn eines langen Lernprozesses.
Kritik hat drei Dimensionen, und alle drei entscheiden darüber, ob sie etwas bewegt — oder nur Schaden anrichtet.
Positiv oder negativ. Beides gehört regelmäßig ausgesprochen. Nicht nur bei der Jahresbewertung.
Gerichtet oder ungerichtet. Gerichtete Kritik bezieht sich auf eine konkrete Situation. „Du hast im Meeting dreimal unterbrochen" ist gerichtet. „Du hörst nie zu" ist ungerichtet — und damit fast immer destruktiv.
Konstruktiv oder destruktiv. Konstruktive Kritik öffnet einen Weg nach vorne. Ich formuliere kritische Punkte lieber als Fragen — das schafft Raum, statt ihn zu verengen.
Über 100 Milliarden Menschen haben auf dieser Erde gelebt. Alle haben kommuniziert. Und wir machen es trotzdem noch falsch.
Isabel Garcia beschreibt vier Kommunikationstypen, angelehnt an antike Konzepte von Hippokrates:
Erde — sachlich, zahlenorientiert, überzeugend durch Fakten. Der Mensch im Raum, der die Präsentation versteht, bevor du den zweiten Slide zeigst.
Feuer — mitreißend, rhetorisch stark, manchmal mehr Überzeugungskraft als Substanz. Gute Vertriebler. Manchmal schlechte Zuhörer.
Wasser — empathisch, sensibel, mitfühlend. Oft in beratenden Rollen. Brauchen Sicherheit, bevor sie sich öffnen.
Luft — kreativ, energiegeladen, Teamplayer. Haben die unkonventionelle Idee. Finden starre Strukturen manchmal erdrückend.
Keiner dieser Typen ist besser als der andere. Aber wenn du nicht weißt, welchen Typ du vor dir hast — redest du an ihm vorbei. Das war schon immer so.
Leistung = Arbeit / Zeit. Diese Formel aus dem Physikunterricht macht im Beruf mehr Schaden als sie nützt.
Ein Automechaniker, der anhand des Geruchs 20 verschiedene Reifentypen unterscheiden kann: beeindruckend. Für seinen Arbeitgeber: vollkommen irrelevant.
Das eigentliche Problem: Viele Unternehmen belohnen Fleiß — nicht Wirkung. Der Mitarbeiter, der bis 20 Uhr im Büro sitzt, wirkt „leistungsstark". Der, der um 17 Uhr geht weil er seine Aufgaben in der Hälfte der Zeit erledigt hat, wirkt … faul?
Intelligente Arbeit sieht manchmal aus wie Nichtstun. Eine Sekretärin, die Textbausteine für Standardanfragen anlegt, produziert 5.000 Zeichen in 10 Sekunden statt 350 in einer Minute — bei besserer Orthografie. Das ist Leistung. Betriebsamkeit allein ist es nicht.
Führungskräften, die das nicht erkennen, empfehle ich: regelmäßig nach dem langfristigen Nutzen fragen — nicht nach der sichtbaren Aktivität.
Jedes Unternehmen hat zwei Handbücher. Eins davon liegt im Intranet. Das andere existiert nirgendwo — und ist trotzdem das wichtigere.
Wer neu anfängt und sofort loslegt wie ein Veteran, macht Fehler. Nicht wegen schlechter Arbeit — sondern weil er die unsichtbaren Regeln noch nicht kennt.
Ein Beispiel: Wasserdichter Business Case für Laptops für alle. Zahlen, Nutzen, ROI. Chef lehnt ab. Warum? Weil Senior-Kollege Sven in diesem Thema die Vertrauensperson ist — und du ihn nicht mitgenommen hast.
Sechs Tipps für die ersten Wochen:
- Fragen, fragen, fragen. Annahmen bestätigen lassen, Kollegen einbeziehen.
- Bei Meetings wirklich zuhören. Vieles wird mündlich geklärt, nicht dokumentiert.
- Alle Sinne nutzen. Beziehungen, Spannungen, Muster beobachten.
- Worauf es ankommt verstehen. Unternehmens-, Team- und persönliche Ziele kennen.
- Grauzonen erkennen und füllen. Bevor jemand anderes es tut.
- Nicht nur das Was — auch das Warum.
Hand aufs Herz: Wie oft hattest du diesen Gedanken? Und wie oft hat dabei dein Chef eine Rolle gespielt?
Bevor du wegen ihm kündigst, lohnt sich ein kurzer Selbsttest:
War es nicht immer so? Über 12 Monate gut zusammengearbeitet? Dann gibt es eine Basis. Eine aktuelle Krise ändert nicht alles auf einmal.
Gibt es ein Kommunikationsproblem? Sag deinem Chef, was du verstanden hast — und was dich daran stört. Je länger du wartest, desto tiefer gräbt sich das Muster ein.
Ist die Situation neu? Hinterfrage die Motivation. Vielleicht hat er Druck von oben. Vielleicht Informationen, die er nicht teilen darf.
Bist du der Einzige? Wenn du als Einziger ein Problem mit dem Chef hast — vielleicht bist du Teil des Problems. Das klingt hart. Es ist trotzdem eine wichtige Frage.
Passt ihr einfach nicht zusammen? Das passiert. Manchmal löst eine offene Feedbackkultur das Problem. Manchmal nicht.
Ist dein Chef ein Psychopath? Studien gehen davon aus, dass bis zu 10 % der Manager psychopathische Züge zeigen. Wenn das zutrifft: schnell weg.
Wenn du nach all dem noch kündigen willst: Tu es. Aber such dir den neuen Job, solange du noch den alten hast. Und warte nicht länger als ein Jahr — die Langzeitfolgen für Körper und Geist sind es nicht wert.
Mail poppt auf. Handy vibriert. Slack-Nachricht. Kollege klopft. Am Ende des Tages: nichts von dem erledigt, was du dir vorgenommen hattest.
Das Problem ist nicht die Menge der Aufgaben. Es ist die Fragmentierung. Konzentration braucht Zeit zum Anlaufen — und wird ständig unterbrochen, bevor sie überhaupt in Fahrt kommt.
Konzentrationsphasen blocken. 90 Minuten ohne Unterbrechung. Handy weg, Mail zu, Tür zu (oder Kopfhörer rein). Wer das einmal wirklich ausprobiert, wird überrascht sein, was dabei entsteht.
Verfügbar ist nicht gleich erreichbar. Du kannst im Büro sitzen und trotzdem nicht auf jede Nachricht in Echtzeit antworten. Das ist keine Unhöflichkeit — das ist professionelles Arbeiten.
Asynchron vor synchron. E-Mails zwei- bis dreimal täglich beantworten. Unwichtige Kanäle löschen oder stummschalten. Meetings nur, wenn asynchrone Kommunikation nicht ausreicht.
Produktivität ist kein Talent. Es ist eine Entscheidung über deine Aufmerksamkeit.
Du sparst deinen Urlaub auf. Für den Winter. Für den Fall einer Kündigung. Für irgendeinen theoretischen Moment in der Zukunft, der selten so kommt wie gedacht.
- Wetter. April bis September schlägt November bis Januar. Fast immer.
- Team. Wenn alle im Herbst gleichzeitig Resturlaub nehmen, wird das letzte Quartal zur Geisterveranstaltung.
- Recht. Das Bundesurlaubsgesetz (§ 7 III): Urlaub soll im laufenden Jahr genommen werden. Dein offener Anspruch steht auf der Bilanz deines Arbeitgebers.
- Preis. Januar bis April: günstigste Reisepreise des Jahres.
- Feiertage. Mit vier Urlaubstagen rund um Pfingsten lässt sich eine echte Auszeit bauen. Im Dezember nicht.
- Wahrnehmung. Wer seinen Urlaub nimmt, signalisiert: Ich plane, ich vertraue darauf, dass die Arbeit auch ohne mich läuft.
- Dezember. Den brauchst du anders — für Jahresabschlüsse, Rückblicke, das was liegen geblieben ist.
Den Urlaub für den Kündigungsfall aufzusparen ist in den meisten Situationen übrigens sinnlos. Frag deinen Arbeitsrechtsanwalt.
Du hast den Job bekommen. Gut. Jetzt bist du in einer Stadt, in der du niemanden kennst.
Freunde von Freunden. Schau dir deine Kontaktliste an. Wer wohnt in der Gegend? LinkedIn, Xing, Facebook — oft sind es zwei Verbindungen Abstand bis zum ersten Treffen.
Verein. Gemeinsame Interessen als Gesprächsgrundlage. Ob Sport, Schach oder Chor — egal. Hauptsache, du hast einen regelmäßigen Kontext, in dem du Leute wiedersiehst.
Kollegen. Mittagessen, Kaffeepause, kurzer Spaziergang nach dem Meeting. Erzähl von dir. Frag nach der Stadt. Die meisten Menschen helfen gerne, wenn man fragt.
Nachbarschaft. Wähle deine Wohnung nicht nur nach Quadratmetern. Das Umfeld macht etwas mit dir. Für Alleinlebende: eine WG ist keine schlechte Option.
Die Theke. Nach 15 Jahren Kneipenbetrieb kann ich das mit Überzeugung sagen: Der Tresen ist der schnellste Weg ins Gespräch. Wähle ein Lokal, in dem du dich wohlfühlst, und geh regelmäßig hin.
Wenn es um Bananen geht, hat ein Affe mir gegenüber einen klaren Kompetenzvorsprung. Das ist keine Selbstkritik — das ist Berufswahl.
Brainstorming. Alles aufschreiben, was infrage kommt. Ohne Filter. Erst mal alles rein.
Clusterung. Ähnliche Optionen gruppieren: nach Branche, nach Ausbildungsweg, nach Arbeitsumfeld.
Recherche. Was verdient man wirklich? Wie sieht der Alltag nach fünf Jahren aus? Was sagen Menschen, die den Job schon lange machen?
Auswahl. Was passt zu meinem Leben, meinen Werten, dem was ich in zehn Jahren noch tun möchte?
Deep Dive. Praktikum, Infotag, LinkedIn-Gespräch mit jemandem, der den Job macht. Bevor du anfängst, wissen wollen wie es wirklich ist.
Ich selbst: Physiotherapeut gelernt, zwei Jahre später festgestellt, dass Computer und Internet mein Ding sind. Kein Fehler — aber ein Umweg, der sich mit besserem Werkzeug hätte verkürzen lassen.
Stefan Frädrich beschreibt vier Grundtypen im Berufsleben. Keine Hierarchie — eine Landkarte.
Fachkraft — Arbeitet im Unternehmen. Expertise ist der Wert. Tief im Detail, aktuell im Wissen. Unverzichtbar.
Manager — Arbeitet am Unternehmen. Koordiniert, steuert, entwickelt Menschen und Prozesse. Mit steigender Hierarchieebene weniger Fachtiefe, mehr Überblick.
Selbstständiger — Große Freiheit, große Verantwortung. Kein Chef, kein Sicherheitsnetz. Alles selbst.
Unternehmer — Delegiert. Baut Strukturen, die ohne ihn funktionieren. Trägt Verantwortung für andere.
Meine eigene Einschätzung: Nicht jeder muss Unternehmer werden. Aber jede Organisation braucht Menschen, die in jedem dieser Quadranten zumindest gelegentlich denken können.
Der Blog, aus dem dieser Artikel stammt, hatte genau das als Schwerpunkt: Was macht gute Facharbeit aus? Was unterscheidet einen guten Manager? Das waren unsere Fragen damals.