UNAK
Produktideen zwischen Innovation und Satire. Oder: ein Onlineshop, in dem man alles kaufen kann. Außer etwas.
Ein Bürostuhl, dessen Wärmepumpe durch Wippen läuft. Eine Versicherung für den Fall, dass die eigene Versicherung nicht zahlt. Ein elektrischer Knitterer für den lässigen Undone-Look. Alles mit Produktfotos, Datenblatt und mehreren hundert Bewertungen.
Mit UNAK.de habe ich eine satirische Produktwelt gebaut, die wie ein seriöser Onlineshop auftritt. Die Angebote sind so plausibel gestaltet, dass man kurz überlegen muss: Kann es das wirklich geben?
Professionelle Produktbilder. Ausführliche Beschreibungen. Bewertungen. Rabatte mit Countdown. Kostenloser Versand. Alles da. Nur die Produkte nicht.
Erst beim Kauf kommt die Auflösung. Die Bestellung wird gestoppt. Statt einer Bestätigungsmail gibt es einen Vorschlag: das Geld lieber zu spenden.
Hinter der Kulisse läuft eine Maschine, die aus wenigen Worten eine komplette Produktseite macht. Und jeden Morgen um acht einen Instagram-Post vorschlägt. Um die geht es hier mindestens genauso sehr.
Stand: 5. Oktober 2026 · Kosten in US-Dollar-Cent
Inhalt
Kann es das wirklich geben?
UNAK sieht aus wie ein Premium-Shop, weil er sich wie einer verhält. Suchfeld, Kategorien, Warenkorb, Geschenkefinder, Themenwelten. Ein Supersale mit Countdown. Jeden Tag frische Angebote.
Die Produkte bewegen sich an der Grenze zwischen Innovation und Unsinn. Zwölf der 48 sind Versicherungen: gegen ungerechte Schulnoten, gegen Wartezeiten beim Arzt, gegen Regen im Urlaub. Wer beruflich bei einem Versicherer arbeitet, kann das offenbar nicht ganz abschalten.
Mein Lieblingsbeispiel ist der Thermion Chair.
Ein Bürostuhl mit integrierter Mikro-Wärmepumpe. Den Strom liefert man selbst: durch Wippen. Aus Bewegung wird Wärme. Das klingt nach Physik. Ist es auch. Nur halt nicht ganz.
Das ist die eigentliche Hausregel. Der Shop zwinkert nie. Kein „fiktiv“, kein „Satire“, kein Augenzwinkern im Kleingedruckten. Der Witz entsteht ausschließlich im Kopf. Wer beim ersten Lesen nicht stutzt, hat beim zweiten umso mehr davon.
Und eine Frage bleibt hängen: Wie leicht überzeugt uns eine professionelle Präsentation?
Bestellung angehalten
Wer auf „Sofort kaufen“ drückt, bekommt keine Zahlungsmaske. Sondern Sandra.
Am Ende des Kaufprozesses warten fünf Menschen. Ben, 8, spart seit März auf ein Lego-Set. Jonas, 34, klebt seit sechs Uhr früh auf der Straße. Frau Albers unterrichtet seit 23 Jahren Mathe und Deutsch. Mirko, 46, ist Kfz-Meister. Und eben Sandra. Dazu kommen Sprüche in der Stimme des Shops selbst. Rund 30 insgesamt, zufällig gezogen.
Rechnen können sie auch. Mirko rechnet den Preis in seine Werkstattstunden um, Ben in Taschengeld. Danach kommt immer derselbe Gedanke, in wechselnden Worten: Das Geld kann woanders mehr bewirken.
UNAK verdient an keinem dieser Links etwas. Nichts wird gekauft, nichts wird abgebucht, niemand gibt Zahlungsdaten ein. Nur ein kleiner Stolperstein zwischen Impuls und Klick.
Aus wenigen Worten ein Produkt
Ein Produkt wie den Thermion Chair von Hand zu bauen, kostet einen Abend. Name, Texte, Datenblatt, zehn Bewertungen, drei Bilder, Logo. Das skaliert nicht. Also habe ich den Abend automatisiert.
Im Admin-Bereich gibt es ein Formular. Pflichtfeld: eine Beschreibung, mindestens 20 Zeichen. Alles andere ist optional.
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Idee
Ein paar Sätze: Was ist es, welches Problem löst es, für wen ist es gedacht? Optional ein Name und Wünsche für die Bilder.
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Namensvorschläge
Ohne Namen schlägt die KI mehrere Marken vor. Einer wird ausgewählt, oder es gibt eine neue Runde.
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Produkttext
Tagline, drei Absätze, Features, Datenblatt, zehn Bewertungen, Preis, Kategorie. Echte Katalogprodukte dienen als Stilvorlage. Pflicht: ein emotionales Kaufmotiv, das zum Produkt passt.
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Qualitätsprüfung
Eine zweite KI prüft gegen zwölf Kriterien. Zu albern? Zu plump? Fehlt das Gefühl? Bei Mängeln geht der Text mit einer konkreten Anweisung zurück. Höchstens zweimal.
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Bildregie
Die KI legt für jedes Produkt eine eigene Bildsprache fest und besetzt die Menschen im Bild. Sie kennt die letzten acht Produkte und weicht bewusst davon ab. Sonst sähe nach drei Wochen alles gleich aus.
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Drei Bilder
Szene, Highlights, Detail. Die Bilder entstehen nacheinander und bekommen ihre Vorgänger als Referenz. So trägt der Stuhl auf allen drei Bildern dasselbe Logo.
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Freigabe
Der Entwurf wartet auf mich. Freigeben, von Hand ändern, ein eigenes Foto hochladen oder per Freitext nachschärfen lassen: „Bild 2 heller, Tagline kürzer.“
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Live
Nach der Freigabe steht das Produkt im Shop. Die nächste Frage kommt sofort: „Instagram-Post jetzt erstellen?“
Technisch ist das unspektakulär, und genau das gefällt mir. PHP, MySQL, kein Framework. Der Haken: Beim Hoster endet jede Web-Anfrage nach 180 Sekunden. Eine Produktgenerierung dauert länger. Also legt die Seite nur einen Auftrag in eine Warteschlange, und ein Hintergrund-Worker arbeitet ihn ab. Jede Stufe speichert ihr Ergebnis. Bricht etwas ab, geht es an derselben Stelle weiter, ohne doppelt zu bezahlen.
Den Admin-Bereich habe ich als App auf dem Handy. Eine installierbare Web-App mit eigenen Push-Nachrichten: wenn ein Entwurf fertig ist, eine Idee eingeht oder jemand eine Bewertung schreibt.
Jeder KI-Aufruf wird mit Tokens und Kosten protokolliert. Seit Beginn der Messung: rund 500 Aufrufe, 18,60 Dollar. Ein Produkt mit drei Bildern und Logo kostet etwa 30 Cent. Ein Instagram-Post keine zehn.
Die Maschine baut übrigens auch Apps. Gleiche Pipeline, anderes Ergebnis: ein App-Icon und drei Screens. Auf Wunsch baut sie zu einem Produkt die passende App, mit identischer Marke und denselben Farben.
Als ich den Screenshot gemacht habe, war die App des Tages: Kaufpause. Sie hält spontane Einkäufe an und rechnet den Preis in Arbeitszeit um. Angeboten in einem Shop, der spontane Einkäufe anhält. Das muss man nicht weiter kommentieren.
Ihre Idee. Unser Team. Ihr Produkt.
Gute Ideen hat nicht nur der Betreiber. Über das Ideenlabor kann jeder eigene Produkt- oder App-Ideen einreichen. Ohne Konto. Mit einer persönlichen Statusseite, die zeigt, wo die Idee gerade steht.
Überzeugt die Idee, macht die Pipeline daraus einen Entwurf. Dann sieht die Person, die sie eingereicht hat, das fertige Konzept und hat das letzte Wort: Markteinführung freigeben, Änderungen wünschen oder nicht veröffentlichen. Die Entscheidung ist echt. Ein Klick, und das Produkt steht im Shop, mit Namensnennung auf der Produktseite.
Passt eine Idee nicht, gibt es eine freundliche Absage und die Einladung zur nächsten.
Eine Umsatzbeteiligung habe ich bewusst nicht versprochen. Bei einem Shop ohne Umsatz wäre das ein ziemlich hohles Versprechen.
Die ersten beiden Community-Produkte stammen übrigens von einem gewissen „Angel der Chef“. Irgendwer muss den Prozess ja testen.
Wo der Spaß aufhört
Ein Shop, der täuschend echt wirkt, braucht klare Grenzen. Sonst ist er kein Kunstprojekt mehr, sondern ein Fakeshop.
Kein Bezahlvorgang
Es werden weder Zahlungs- noch Adressdaten abgefragt. Der Kaufknopf führt immer zur Auflösung.
Keine falschen Siegel
Keine TÜV- oder Trusted-Shops-Logos, keine erfundene Handelsregisternummer. Das Impressum trägt meinen echten Namen.
Keine Sterne bei Google
Die Bewertungen gehören zur Kulisse. Deshalb bekommen Suchmaschinen keine strukturierten Bewertungsdaten.
Kein Tracking
Statistik nur anonym und aggregiert, ohne Werbe-Cookies. Merkmale für den Spamschutz werden nach 30 Tagen gelöscht.
Erst bestätigen, dann mailen
E-Mails aus dem Ideenlabor gehen erst nach Double Opt-in raus. Kundenbewertungen werden vorab moderiert.
Ehrliche Versprechen
Wer eine Idee einreicht, bekommt Namensnennung und das letzte Wort. Kein Geld, das es nie geben wird.
Was ich daraus mitnehme
UNAK ist ein Spaßprojekt. Die Muster dahinter sind es nicht.
KI erzeugt, KI prüft, Mensch entscheidet. Keine Generierung ohne Qualitätsschleife, keine Veröffentlichung ohne Freigabe. Das Muster funktioniert in jedem Unternehmen.
Kosten ab dem ersten Aufruf messen. 30 Cent pro Produkt ist eine Zahl, mit der man entscheiden kann. „Wird schon nicht so teuer sein“ ist keine.
Daten ohne Verzerrung. Jeder Besuch sieht die Produkte in eigener Zufallsreihenfolge. So misst die Statistik Interesse und nicht den Platz im Raster. Der BI-Mensch in mir lässt grüßen.
Product Owner statt Programmierer. Gebaut habe ich UNAK im Dialog mit Claude Code. Ich habe entschieden, was entsteht, warum, und wo Schluss ist.
Automatisieren, was sich wiederholt. Die Idee bleibt kreativ. Den Rest erledigt die Maschine in zwei Minuten.
Ob die Welt einen Bürostuhl mit Wippheizung braucht, entscheiden Sie selbst.
Spenden ist trotzdem eine gute Idee.
Jeden Morgen um acht
Ein Shop ohne Instagram existiert nicht. Also hat UNAK einen Account. Und einen Redakteur, der nie Urlaub macht.
Jeden Morgen um acht startet ein Cronjob. Er wählt die Post-Art, die am längsten nicht dran war: Spotlight, „Kennen Sie das?“, Feature im Fokus, Kundenstimme, Community-Frage, In Zahlen, Anlass und Saison. Dann das Produkt, das am längsten nicht gezeigt wurde. Die KI schreibt Headline und Caption und erzeugt das Bild im Instagram-Format, mit dem echten Produktfoto und dem Produktlogo als Vorlage. Das UNAK-Logo setzt der Code selbst ein. Die KI darf es nicht malen.
Der Vorschlag kommt per Mail und Push aufs Handy. Gefällt er mir, reicht ein Klick: Veröffentlicht wird direkt über die Instagram-API. Gefällt er mir nicht, gibt es eine neue Variante. Oder einen Wunsch im Freitext.
Sechs von 31 Posts auf @unak.de. Bild, Headline und Caption: automatisch erstellt, von mir freigegeben.
Dazu kommen zwölf Monatsaktionen, die sich selbst ankündigen. Valentinstag, Sommerschlussverkauf, Black Week, ein Adventskalender mit 24 Türchen. Sieben Tage vorher kommt die Erinnerung, am ersten Tag der passende Post. Die Rabatte halten sich übrigens an die Preisangabenverordnung: Der Streichpreis ist der niedrigste Preis der letzten 30 Tage. Für Produkte, die es nicht gibt.
Für den WhatsApp-Status gibt es keine Schnittstelle. Also schickt die Admin-App den Post mit einem Tipp über das Teilen-Menü des Handys direkt dorthin.
Und weil Social Media auch Antworten bedeutet, sammelt ein Community-Radar stündlich alle Kommentare und schätzt ein, ob da ein Mensch schreibt. Die ersten elf Kommentare kamen ausnahmslos von Bots. Auch eine Form von Reichweite.