Gastarbeiterkind

Meine Eltern kamen 1968 aus Portugal und Spanien als Gastarbeiter nach Deutschland. Ich bin hier geboren. Das macht mich zu einem Gastarbeiterkind — ein Wort, das mehr erklärt als jeder Lebenslauf.

Gast. Arbeiter. Kind. Drei Wörter. Jedes davon hat seinen eigenen Widerspruch.

Gäste werden eingeladen und irgendwann wieder verabschiedet. Meine Eltern blieben. Sie bauten ein Leben auf. Sie kauften ein Haus. Sie wurden Teil der Stadt. Das Wort hat sie trotzdem begleitet — und mich mit.

Ich bin in Zweibrücken aufgewachsen. Deutsch in der Schule, Spanisch zu Hause, Portugiesisch bei den Großeltern. Drei Sprachen, bevor ich wusste, dass das ungewöhnlich ist. Heute kommt noch Englisch und Französisch dazu. Sprachen lernt man leichter, wenn man schon mit der Idee aufgewachsen ist, dass Worte in verschiedenen Formen dasselbe bedeuten können.

Angels Eltern — Gastarbeiter aus Portugal und Spanien

Meine Eltern. Gekommen 1968. Geblieben für immer.

Ich war nie der Einzige, dem man ansah, dass er woanders herkam. Und ich war nie jemand, der deshalb nicht dazugehörte. Beides gleichzeitig. Das ist die Normalität vieler Gastarbeiterkinder — und die meisten würden das genauso beschreiben.

Was man dabei lernt: Man liest Räume anders. Man merkt schnell, wer einen als Person sieht — und wer zuerst die Herkunft sieht. Man lernt, zwischen diesen beiden Wahrnehmungen zu navigieren. Das macht einen nicht besser oder schlechter. Aber es macht einen aufmerksamer.

Diversität ist für mich kein Konzept aus einem Workshop. Es ist die Beschreibung meiner Kindheit.
Zwischen Grenzen — Album Cover
♪ Track 04 · Punk Rock
Aldi-Tüten

Kleine Wohnung, Dusche in der Küche. Kein Nachteil — das war der Start. Gast — Arbeiter — Kind — das ist woher ich bin.

Als Führungskraft merke ich täglich, was dieser Hintergrund bringt. Ich stelle keine Fragen über Herkunft, Akzent oder Namen — weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man das tut. Ich nehme an, dass jeder Mensch mehr mitbringt als sein Lebenslauf zeigt — weil ich selbst mehr mitbringe als meiner zeigt.

Teams, in denen verschiedene Perspektiven zusammenkommen, lösen Probleme anders. Nicht weil Diversität ein Unternehmensziel ist. Sondern weil unterschiedliche Erfahrungen unterschiedliche Blickwinkel erzeugen — und unterschiedliche Blickwinkel bessere Lösungen.

Das ist keine These. Das ist meine gelebte Erfahrung.

Meine Töchter Alva und Smilla wachsen mit spanischen Großeltern auf. Sie kennen Galizien. Sie essen Tapas und Bacalhau. Sie wissen, dass ihre Familie aus mehr als einem Ort kommt.

Das ist kein Problem, das gelöst werden muss. Das ist ein Geschenk, das weitergegeben wird.

Integration ist keine Einbahnstraße. Und Zugehörigkeit ist keine Frage der Herkunft.

Wer mehr über die Geschichte meiner Familie lesen möchte — woher meine Großeltern kamen, wie meine Eltern sich in Deutschland gefunden haben und was das alles mit Zweibrücken zu tun hat:

Meine Vita — die ganze Geschichte