Analoge und Digitale Kunst
Oder: Was passiert, wenn ein IT-Mensch kreativ wird. Und nie damit aufhört.
Frau Rinck
Es gibt Menschen, die nicht nur erkennen was in einem steckt — sondern auch dafür sorgen, dass es rauskommt.
Frau Rinck war Kunstlehrerin. In der Oberstufe des Gymnasiums hatte ich sie. Irgendwann sagte sie mir, dass ich Talent habe. Das hätte ich selbst wahrscheinlich nicht so formuliert. Ich habe einfach gezeichnet und gemalt, weil es mir Freude machte.
Aber sie hat mehr getan als ein Talent zu benennen. Sie hat eine Leidenschaft entfacht. Das ist der Unterschied zwischen einem Lehrer und einem guten Lehrer. Der eine benotet. Der andere verändert.
Ich denke oft daran, wenn ich über Führung nachdenke.
Das erste Gemälde
Mit 19 malte ich meine ersten Gemälde in Öl. Eines davon war für meine damalige erste Freundin.
Es ist das einzige, auf das ich heute noch Zugriff habe.
Öl auf Leinwand. Das einzige Gemälde aus dieser Zeit, das noch in meinem Besitz ist.
Die Freundin folgte kurz danach nicht mehr. Das Malen auch nicht.
So geht das manchmal.
Photoshop & das Beisl
Dann kam Adobe Photoshop 6.0. Und damit ein neues Medium.
Im Studium arbeitete ich mich durch Tutorials — das war das YouTube der frühen Nullerjahre. Handbücher, Foren, Ausprobieren. Irgendwann saß ich vor dem Programm und wusste, was ich tue.
Als dann das Beisl kam, hatte ich einen Auftraggeber: mich selbst. Speisekarten. Flyer für unsere Partys. Gestaltung, die nicht nach Vorlage aussah, weil es keine gab.
Die Speisekarte 2004. Tapas, Pizza, Pasta — in selbst gestaltetem Layout.
2009: Die Karte wurde erwachsener. Illustration und Fotografie kombiniert.
Dann kamen die Partys. Faschingsfeier, Karaoke-Abend, Sonderveranstaltungen. Jedes Event bekam seinen eigenen Flyer.
Fasching im Beisl, 25.02.2006. Karaoke-Show ab 19 Uhr. Der Flyer: selbst gemacht.
Mit der Digitalfotografie kam die Bildbearbeitung. Compositing, Retusche, Effekte. Ein Highlight, das bis heute in Erinnerung geblieben ist: eine Faschingsfeier, bei der ich als Schlagerstar auftrat. Haarfarbe und Frisur extra vom Friseur, passendes Kostüm — und ich hatte mir vorher extra Autogrammkarten drucken lassen.
Das Autogrammkartenfoto. Blonde Haare. Gelber Blazer. Eine Kuh. Alles Photoshop.
Scherenschnitt-Technik in Photoshop — ein Selbstporträt als Silhouette.
Die Kinderzimmer
Als die Kinder kamen, wollten wir ihre Zimmer individuell gestalten. Nicht mit Tapeten. Mit Geschichten.
Meine Aufgabe: aus unseren Lieblingsbilderbüchern eine Welt an die Wand bringen. Die Motive wurden per Beamer projiziert und von mir abgemalt — in Originalgröße, auf mehrere Wände verteilt.
Das Buch: Elmar rettet den Regenbogen von David McKee.
Die Wand: Elmar und seine Welt — über zwei Zimmerecken gemalt.
Das Buch: Abenteuer mit Fridolin Frosch.
Die Wand: Fridolin und alle Freunde auf dem Teich — vier Meter Bilderbuch.
Nicht jeder kann einfach so eine Figur aus einem Bilderbuch im Maßstab 1:1 an eine Kinderzimmerwand malen. Das ist auch eine Form von Pixelschupsen.
Comics — auf dem Laptop gezeichnet
Neben dem Podcast gab es einen Instagram-Kanal. Und neben dem Instagram-Kanal gab es mich mit einem Laptop und zu vielen Meinungen über das Arbeitsleben.
Die Comics entstanden mit einem Grafiktablett — jede Figur, jede Sprechblase, jeder blaue Anzug von Hand gezeichnet. Das Ziel: humoristisch auf Probleme im Job aufmerksam machen. Dinge, über die man lacht. Und dann kurz inne hält.
Den Podcast gibt es noch zum Hören. Zum Arbeitnehmerkanal →
GenAI
Vor zwei Jahren begann eine neue Phase. Generative KI kam und ich testete alles, was herauskam.
Midjourney. Nano Banana. Remini. Mobile Apps, Desktop-Tools, experimentelle Modelle. Wenn etwas neu war, wollte ich verstehen, was es kann — und wo es scheitert. Nicht als Konsument, sondern als jemand der das Werkzeug kennen will.
GenAI-generiertes Porträt im Street-Art-Stil. Referenzfoto: ich.
Ich als Funko-Pop-Figur. Remini kann das.
Ich im Magnum-P.I.-Stil. Hawaiihemd und New-York-Cap inklusive.
GenAI hat nicht mein Bild von Kunst verändert. Es hat meinen Werkzeugkoffer erweitert.
Aquarell & Maslow
Im vorletzten Winter griff ich wieder zum Pinsel. Dieses Mal mit einer Idee.
Ich besuchte eine Kunstschule. Die Lehrerin war begeistert von meinen ersten beiden Bildern und fragte — schmeichelnd gemeint — ob ich den nächsten Kurs leiten wolle. Sie ist der Experte. Ich kann aber scheinbar noch immer gut malen.
Erstes Bild in der Kunstschule. Augen, die mehr sagen als man erklären kann.
Zweites Bild. Bewegung, Farbe, Spannung.
Was ich wirklich wollte: Kunst, Psychologie und meinen Beruf verbinden. Ich mag die Maslowsche Bedürfnispyramide. Sie zeigt, welche Dinge wir als selbstverständlich erachten. Wie wir verlernen, das wertzuschätzen was wir haben — und immer nur sehen, was wir nicht haben.
Ich wollte Menschen malen, die mit ihrem Leben hadern. Auf den jeweiligen Stufen der Pyramide.
Stufe 1 — Physiologische Bedürfnisse. Ein Mensch, der um sein Leben kämpft.
Stufe 2 — Sicherheit. Ein Mensch, der keine findet.
Stufe 3 — Soziale Bedürfnisse. Umgeben von Menschen. Allein.
Beim Bild zu den Individualbedürfnissen bin ich gescheitert. Ich wollte eine Pause machen.
Diese Pause dauert nun schon anderthalb Jahre.
Im Sommer bin ich lieber draußen als im Atelier. Das Werk bleibt unvollendet — aber nicht aufgegeben. Ich habe andere Ideen. Ich möchte aber erst noch dieses vollenden.
Der 3D-Drucker
Neuerdings habe ich einen 3D-Drucker.
Die Idee: Gemälde mit 3D-Effekten verbinden. Elemente, die tatsächlich aus dem Bild herausragen. Eine Skyline bei Nacht — und Teile davon stehen plastisch vor der Leinwand.
Die Idee: Eine Skyline wie diese — aber Teile davon ragen aus dem Rahmen heraus.
Dafür muss ich noch tiefer ins Thema 3D-Modellierung einsteigen. Alternativ kann GenAI dabei helfen — aber die aktuellen Tools bieten dafür noch zu wenig. Gemini und ChatGPT sind gut in vielen Dingen. Druckfertige 3D-Modelle gehören noch nicht dazu.
Das wird sich ändern. Und ich werde es testen.